Dans la rue
Da Anna einen Eintrag schreiben möchte in dem sie von den Kröten hier erzählt und wo sie ihr nach dem Regen auflauern, erzähle ich einfach mal von bestimmten Situationen und Erlebnissen im Strassenverkehr, weil ich die ziemlich... interressant finde. Möchte den Eintrag schreiben mit einem lieben Gruss an meinen Papa; du würdest dich wundern. Es ist noch lustiger als die Autobahn nach Polen.
Am Samstag haben wir wieder ein Taxi nach Cotonou genommen, weil wir von zwei Cousinen von unserem Gastvater Pierre eingeladen worden waren. Meist sieht man hier alte, klapprige Autos mit Rostflecken und Beulen. Autos die man bei uns vielleicht schon auf dem Schrottplatz findet. Die Leute nehmen was ihnen zur Verfügung steht und versuchen das Beste daraus zu machen - eigentlich bewundernswert.
Aber gut, die Fahrten sind jedesmal ein Abenteuer.
Die Taxifahrer haben ihre Streckentarife oft einfach auf das Armaturenbrett geschrieben, gut lesbar; und das Auto hält von innen das, was es von aussen verspricht. Anna und ich erkennen noch nicht, welche der Autos nun Taxis sind, aber man kann es wohl an den Nummernschildern erkennen. Wenn man zum Beispiel in Lokossa mal ein modernes Auto vorbeifahren sieht, zwischen all den vielen Motorrädern und Mopeds, das sich in nach europäischen Verhältnissen gutem Zustand befindet, fragt man sich erstmal, wie das wohl hierher kommt.
Es ist so witzig wie erstaunlich zu sehen, wie normal der zweifelhafte Zustand der Autos für alle hier ist, dass Löcher in den Sitzen sind, aus denen einen beim sitzen manchmal schon die Federn pieksen, mal eine Tür nicht mehr benutzbar ist oder eine Scheibe. Hebel um die Scheiben kurbeln zu können habe ich bis jetzt in überhaupt noch keinem Taxi gesehen. Dort sind einfach Löcher in der Tür. Der Tacho ist bis jetzt auch in keinem intakt gewesen, aber sie brauchen ihn hier sowieso nicht. Ich habe das Gefühl sie brauchen nur die Sitze, die Mechanik, die Räder und das Licht. Man hat auch das Gefühl, Verkehrsordnung existiert hier auf den Strassen nicht. Wozu auch? Ist doch alles so viel einfacher. Man meint, dass das höchste der Gefühle hier ein Mittelstreifen zwischen den zwei Fahrspuren sei, mit geregeltem rechts-links-Verkehr auf den Schnellstrassen zwischen den Städten. Auf dem Weg nach Cotonou und Abomey haben wir sogar Ortseingangsschilder gesehen.
Jedenfalls sind wir also Samstag Nachmittag wieder in so einem überladenen Taxi nach Cotonou "geflogen". Wir waren zu siebt in einem normalen Viertürer. Autos sowie Motorräder werden in den Städten und auf den Hauptstrassen von links und rechts überholt und ebenso machen es die entgegenkommenden Fahrzeuge -Fahrspuren gibt es nicht. Die Strasse ist da um befahren zu werden, von jeder Seite, in jede Richtung, und hier und da sind Ziegen und Hühner von der Strassenmitte wegzuhupen. Wahrscheinlich hatte ich denselben süss-sauren, faszinierten Gesichtsausdruck wie Anna auf dieser Fahrt am Samstag. Ich bin ja kein Angsthase, aber den einen oder anderen Frontalzusammenstoss mit einem Motorrad oder einem Auto hatte ich schon kommen sehen, bis unser laut erzählender Fahrer das alte Auto jedesmal ruckartig aus der Bahn gesteuert hat. Es ist wie Slalom fahren und die Motorradfahrer sind die Kegel.
Ständig und überall wird gehupt, was aber meist nicht wie bei uns vielleicht bedeutet, dass man sich über eine Situation im Strassenverkehr ärgert, sondern was einfach heisst "Lass mich vorbei, ich bin schneller als du." und was von den anderen dann auch verständnisvoll aufgenommen und ausgeführt wird.
Auf dem Motorrad mitzufahren verstärkt noch das "Hindernisstrecken-Gefühl", aber die Fahrer sind mit uns immer heil am Ziel angekommen. Es ist eine Kunst.
Ich grüsse alle lieb die den Eintrag lesen. Grüsse an zuhause! Eva
Kommentare
Besetzung im Taxi

Liebe Anna, liebe Eva,
ja, es ist ein Abenteuer mit den Autotaxis und den Motoradtaxis.
Im Autotaxi habe ich von Cotonou bis Lokossa als Maximum 9 Personen gleichzeitig gezählt und fotografiert.
Sicher ist die Methode, dass der, der auf der Handbremse zu sitzen kommt, höflicher Weise ein Handtuch zur Schonung des Steißbeins aufgelegt bekommt, noch aktuell, oder hat man das schon wegrationalisiert?
Gibt es denn keine Wegelagerer-Polizei-Kontrollen mehr, an denen Wegezoll zu zahlen ist? Die Polizei findet doch immer etwas, was nicht ok ist, oder?
Danke für Eure super Berichte, liebe Grüße von Gerhard
