Debatte um (deutsche) Entwicklungszusammenarbeit
Erwähnt habe ich den Artikel in einem anderen Zusammenhang,
interessant ist er (bei kritischer Betrachtungsweise) allemal.
Daher stelle ich Thread und Text hier mal zur Diskussion!
Heft 19/2008
"Egotrips ins Elend"
Tausende von Jugendlichen gehen jedes Jahr als freiwillige Helfer in Entwicklungsländer. Aber wem nützen sie eigentlich? Am meisten sich selbst.
Von Florian Töpfl
... soweit der Artikel.
*edit by Ben: bitte Artikel nicht komplett und ohne Lizensangabe zitieren - wir wollen nicht verklagt werden :)
Kommentare
Thread zur Diskussion auf SZ-Seite

Nachfolgend der Thread zur Diskussion,
direkt auf der Seite der SZ:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/kommentare/24384
"L'impossible est possible pour ceux qui y croient."
Hallo Philipp, mir reichen

Hallo Philipp,
mir reichen die Kommentare dort eigentlich schon vollkommen aus. Sie schildern fast in allen Facetten wie man nun den durch weltwärts finanzierten Freiwilligendiensten gegenüber stehen kann.
Ich versuche mir auch weiterhin das Thema zu geben und mir was durchzulesen, aber diesen Artikel muss ich übersehen haben.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich die den Webteil der SZ garnicht mag.
IFD-Presse

Ich denke wir

Ich denke wir Freiwilligendienstler haben es doch in der Hand! Wir können unseren Dienst so dokumentieren(bloggen), dass sich ein klares und gutes Bild ergibt.
Wenn es jemand in der Hand hat hier ein gutes Zeichen zu setzen, dann sind wir das.
Sehe ich sehr ähnlich.

Sehe ich sehr ähnlich. Neben guter, langwieriger und intensiver Vorbereitung im Vorfeld der Programme
haben wir auch über ebensolche Plattformen und im Kontakt mit aktiven Freiwilligen im Gastland die Möglichkeit
Land, Leute & Kultur, zumindest ansatzweise, so kennenzulernen, dass wir mit den Ideen, Hilfestellungen und unseren Möglichkeiten
doch nicht ganz fehl am Platze sind.
Es ist selbstverständlich, dass teilweise Arbeiten, die wir vor Ort leisten, auch von einheimischen Fachkräften
geleistet werden - könnten. Das ist aber gar nicht der Punkt, und kann in keiner Weise der Ansatz entwicklungspolitischer
Diskussionen sein. Gemäß dieser immens einseitigen Betrachtung wären sämtliche Austausch- und Freiwilligenprogramme sinnlos.
Interessant wird es doch gerade in den Bereichen, in denen Freiwillge aus Industrienationen wirklich
bestätigte und unverkennbare Wissensvorsprünge haben. Ich denke da insbesondere an Technologien im IT-Sektor, in der Kommunikationsbranche, im Bereich alternative Energien, ökologisch verträgliche Landwirtschaft und natürlich Sprachen.
--
"L'impossible est possible pour ceux qui y croient."
Es anerkennen

um mich in die Diskussion einzumischen - auch nach diesem Artikel der SZ ist der für mich wesendliche Punkte nicht, ob nun die Freiwilligen etwas vorort beitragen oder nicht - es geht wirklich um einen Egotrip ins Ehlend wie der Titel es zuspitz. Es geht drum, dass der Freiwillige in dieser jungen bedeutenden Phase seines Lebens bestimmte Einsichten gewinnt, sich für Erfahrungen ganz neuer art öffnen wie er es durch Vorträge und Texte daheimgeblieben nie schaffen würde und einen echten Perpektivenwechsel vornimmt. Ja, es geht um den Freiwilligen, dass er für sich etwas mitnimmt und das sollte insbesondere der Freiwillige selber anerkennen und sich dessen bewusst sein. Wirklich viel ausrichten wird er nicht können, sondern mit der Haltung Afrika retten zu wollen absolut arrogant ankommen. Erreicht ist das Ziel also nicht, wenn die hinterlassenen bautechnischen Ergebnisse seines Freiwilligendienstes vielleicht nach zwei Jahren immer noch stehen, sondern wenn menschliche Begegnungen stattgefunden haben und sich beim Freiwilligen. ein bleibender Eindruck verfestigt, der im Idealfall zu einem weiteren gesellschaftlichem Engagement führt.
Der Kritikpunkte, warum das ganze nicht dem Budget der Bildungspolitik subsumiert wird, halte ich aus dieser Perspektive zwar für gerechtfertigt - jedoch könnte ich mir vorstellen, das eine Freiwilligendienst durch die direkte Verbindung mit der Entwicklungspolitik in der Außendarstellung aufgewertet wird. So bald als möglich sollten den neuen weltwärtslern jedoch klar gemacht werden, dass es wirklich nur am Rande um die praktischen Ergebnisse vorort ankommen. Ich möchte mich daher dafür aussprechen, dass der Freiwilligendienst weltwärts nach wie vor in einem entwicklungspolitischen Kontext stattfindet und aus diesem Grunde auch durch das BMZ organisiert wird - indem die Mittel jedoch den ODA - Mittel zugerechnet werden stellte sich die Frage ob die langfristige entwicklungspolitischen Bildungsarbeit die durch weltwärts angestoßen werden soll, durch das zurzeit absehbare geringe Maß an Ehemaligenarbeit und Förderung von nachhaltigen Maßnahmen durch weltwärts gerechtfertigt ist.
Egotrips und menschliche Begegnungen

Das konträre Begriffspaar Egotrips/menschliche Begegnungen beschreibt sehr gut, die geistige Haltung der freiwilligen Entwicklungshelfer. Man könnte die Auffassung des SZ-Autors noch verschärfen, indem man sagt: dass die freiwillige Entwicklungshilfe aus einer rassistischen und eurozentrischen Bewußtsein heraus folgt.
Die Bilderwelten mit der private und kirchliche Entwicklungshilfeorganisationen Freiwillige anwerben kann man sehr gut mit den Bilderwelten aus der Kolonialzeit vergleichen und Kontinuitätslinien feststellen, wie außereuropäische Menschen bebildert und angesehen werden. Die menschlichen Begegnungen sind deswegen auch aus diesem Gesichtspunkt zu beurteilen. Z.B. miseror hat die Angewohnheit, weiße Menschen mit einem Namen, einem Lebenslauf und einem ernsten Gesichsausdruck zu darzustellen, während die dunkelhäutigen als krank, deviant, kindlich, naturbehaftet und anonym dargestellt werden.
Ich würde befürworten sich mehr mit Rassismus auch bei freiwilligen Entwicklungshelfern auseinanderzusetzen, schon allein aus dem Grund, weil aus dieser Bevölkerungsgruppe ein Rekrutierungsfeld für hauptberufliche NGO'ler stellen. Der Rassismus in den privaten Entwicklungshilfe NGO's hat schon sehr viel Unheil angerichtet. Beispiele lassen sich finden zum Beispiel bei Massensterilisationen, die priviligierte weiße Frauen an schwarzen Frauen vorgenommen haben. Der geistige Hintergrund solcher drastischer Maßnahmen sind eben Rationalisierungen und die Leugnung komplexer politischer und wirtschaftlicher Zusammenhänge, dass zur Reduzierung der Probleme auf die Überbevölkerung und die unkontrollierbare, animalische Sexualität der Nichtweißen führt.
Ich hatte einmal einen afrikanischen Mitbewohner aus dem Senegal. Ich habe ihn gefragt, wenn die Senegalesen wissen, dass die vielen weißen Freiwilligen nichts vom praktischen Wert leisten, warum werden sie dann mit so viel Aufmerksamkeit behandelt. Seine Meinung dazu, man müsse der weißen Mentalität als Retter erscheinen zu wollen entgegenkommen. Das Problem der menschlichen Begegnung hat also durchaus zwei Seiten erstens bei den Helfern und zweitens bei den Geholfenen.
Das Bild der Freiwilligen aufwerten

Wir sollten berechtigte Kritik anerkennen. Ich kann dem Artikel zustimmen, wenn er sagt; dass es im Grunde um einen Egotrip geht. Ich denke, dass es der Zielsetzung der Politik entspricht, eben solche Egotrips zu ermöglichen. In dem Zusammenhang ist auch die öffentliche Aufwertung des freiwilligen Engagement zu sehen, womit der Staat seinen Rückzug aus seinen sozialen Verpflichtungen vorbereitet. Insofern ist das eine konsistente Politik.
Freiwillige haben ihren Wert bei der Beschaffung von Spendengeldern und in der Öffentlichkeitsarbeit. Ein geschicktes NGO-Management wird wissen, wie man die Freiwilligenarbeit als Kommunikationsinstrument einsetzt, um private Spendengelder zu mobilisieren - davon hängen auch Arbeitsplätze im Dritten Sektor ab.
Der Verfasser des Artikels nennt Punkte, die seine Auffassung gut unterstützen - aber er liegt meiner Meinung falsch darin, die Freiwilligenarbeit als völlig nutzlos darzustellen. In meiner Lesart sind die Freiwilligendienste rational aus der behördlichen Perspektive und aus der Perspektive der privaten NGOs.
ich stimme euch vollkommen

ich stimme euch vollkommen zu. der artikel zeigt aber trotzdem einige richtige probleme. wieso brauchen wir soviel taschengeld und leben somit über den lokalen verhältnissen?
beide seiten profitieren, die freiwilligen sollten aber wirklich schon gewisse qualifikationen haben und einiges könnte sicher auch von lokalen kräften getätigt werden. im camphill in südafrika habe ich viel gelernt, ich bin mir aber nicht sicher, hätte aber auch ähnliche arbeit in deutschland machen können. ich denke abenteuergeist gehört auch dazu...
mit dem viel zu hohen taschengeld ist aber ein echt krasses ding und sollte nicht sein. ob ich einen solchen dienst auch umbedingt entwicklungspolitisch förderlich halten würde, hängt von dem projekt ab. im camphill würde ich es aber verneinen und es wird faul und bequem durch die vielen ausländischen freiwilligen. es sollte eben nicht zur abhängigkeit, sondern wirklich der entwicklung zur selbständigkeit führen.
der artikel ist einseititg aber die harten vorwürfe aber sind z.t nicht leicht zu entkräften.
das die entwicklungspolitik und auch freiwilligendienste ein boomendes geschäftsfeld sind, ist nicht abzustreiten, hat aber wirklich nichts mit weltwärts zu tun!
der artikel sagt eben auch nur, was er bestätigen möchte.
hey, diese woche wurde der

hey,
diese woche wurde der zivildienst ja etwas gefeiert, wegen dieser schönen zahl...
gleichzeitig wurde auch wieder groß verkündet, dass der zivildienst immer mehr zu einem lerndienst umgebaut wird und dies auch absolut gewollt ist. mit weltwärts ist es ja auch nicht anders zu verstehen und dann sollte die süddeutsche lieber die zielsetzung der politik hinterfragen als den dienst zu kritisieren...
