Mary-Ann und Co. KG

Nach zwei Wochen melden wir uns wieder mal aus dem zur Zeit fast ständig verregneten Lokossa. Eva hat sich von einer kurzen aber preisintensiven Krankheit wieder erholt, und Pierre wurde endlich sein Visum ausgestellt, mit dem er am 9.7. nach Deutschland zu einer Vortragsreise und danach nach Holland zum Esperantokongress aufbrechen kann. Wir sind schon gespannt... An dieser Stelle wollen wir jedoch nicht von den Strapazen sprechen, ein Visum in einer deutschen Botschaft zu beantragen, denn davon haben wir langsam die Nase voll! Ausserdem glaubt man nicht, wie schwer es ist ein vernünftiges Passfoto in Lokossa zu bekommen. Zuerst musste Anna dem Fotografen ihre Kamera stellen, da die Batterien seiner eigenen leer waren. Danach hat sie auch das Foto selbst gemacht, weil der Fotograf nicht wusste, wie man an ihrer Kamera den Auslöser bedient. Da er weiterhin nicht wusste, wie er die Bildgrösse in Word bearbeiten soll, haben wir das auch noch für ihn erledigt. Ansonsten hatte er noch nie etwas von Pierres benötigten biometrischen Passfotos gehört. Wen wunderts? Sowas können sich auch nur europäische Amtsschimmel ausdenken!
Kommen wir deshalb zu den einfachen Dingen des Lebens: Rülps, schnief, würg, rotz! Wenn diese Geräusche morgens nicht beim Frühstück hinter unserem Vorhang an der Eingangstür erklingen, fängt der Tag garnicht richtig an. Die Ziegen sind wach. Und sie verlangen nach den Schalen der Frühstücksfrüchte, die wir dann auch gekonnt aus der Tür oder dem Fenster werfen. Aber erstmal stellen wir unsere Ziegenfamilie vor. Beginnen wir mit Mary-Ann. Die vierfache Mutter hat im ersten Wurf Susie, im zweiten Kassandra und im dritten die jetzt schon 3 Wochen alten Sprösslinge Pina und Colada zur Welt gebracht (Die Namen sind natürlich von uns! Sonst hätten die Ziegen hier garkeine Namen.) Susie hat vor ungefähr einer Woche den kleinen Richard bekommen. Dann wären dann noch Halloumi mit Tochter Mathilde und Lady Oscar mit Sohn Oscar. Diesem gilt der Satz: "Wenn ich dich riechen kann, bist du zu nah!!!" ... denn er stinkt wie ein Komposthaufen. Das veranlasste Anna letzte Woche spontan dazu, ihn mit ihrem Parfum einzusprühen, und mit der Duftnote "Ecume Océane" die Note "Misthaufen" zu überdecken. Ansonsten bekommt man den Anschein, Ziegen seien irgendwie blöd, was wiederum witzig sein kann, wenn sie ein so schön dummes Gesicht machen, wenn man ihnen mit der leeren PET-Plasteflasche auf den Kopf haut. Das hält sie aber leider für nur vielleicht 2 Minuten davon ab, uns zu nah auf die Pelle zu rücken.

Mary-Ann

Mathilde

Zu den einfachen Dingen des Lebens gehört wohl auch das Wasserlassen. Wir haben uns ja mittlerweile daran gewöhnt, dass jeder hier da uriniert, wo er gerade das Bedürfnis dazu hat: die Kinder auf dem Schulgelände, Passanten gegen unsere Hüttenwand oder Männer mitten in der Stadt gegen Mauern. Dass jedoch der Lehrer der 2. Klasse während des Unterrichts Multi-Tasking betreibt, indem er vor dem Klassenraum uriniert und dabei von draussen weiter unterrichtet, war wieder eine neue Überraschung.

Dazu kein Foto!

Auf Wunsch einiger Blogleser die Neuigkeiten von den Zwillingen. Letzte Woche hat sich Martine über euer Interesse an ihr und ihren Kindern sichtlich gefreut. Wir haben sie letzte Woche wieder besucht. Den Kleinen geht es gut. Dafür, dass sie kurz nach der Geburt so weiss wie wir waren, sind sie bis jetzt schon ziemlich schnell dunkler geworden.

Anna, Renato und Evanna (von hinten nach vorn)

(Wir haben hier gerade wieder Probleme die Fotos in den Blogeintrag einzufügen. Falls ihr sie auch nicht seht, könnt ihr sie euch unter der Rubrik Fotos oben rechts ansehen. Sorry!)

Ansonsten ist in Kodji gerade etwas los gewesen. Das liegt zum einen daran, dass wir nach einer längeren Unterrichtspause wegen Amtsübergaben, Regen und Prüfungen nun wieder unterrichten können, zum anderen weil Jean Kodjo aus Kanada und das Ehepaar Hauge aus Deutschland zu Besuch waren. Gestern hat weiterhin ein Fussballturnier zwischen vier Partnerschulen und ein Fest dazu stattgefunden.
Am Montag haben wir bereits unsere letzte Englischstunde am Collège in Adohoun gegeben. Der Abschied war recht rührend mit vielen Fotos und einem längeren Gespräch mit den Schülern. Dabei mussten wir leider wieder einmal das afrikanische Bild Europas gerade rücken. Fast alle hier glauben, in Europa sei alles toll. Man könne EINFACH hinfahren, auf der faulen Haut liegen und ganz viel Geld verdienen. Das Erstaunen der Schüler wurde immer grösser, als wir erklärten, dass sie mindestens 3 Wochen und 60 Euro für den Visumantrag brauchen würden, dass sie für ein Brot statt 25 Cent 2,50 Euro zahlen, dass sie nur mit einem Abitur keinen Arbeitsplatz bekommen, mit dem sie allein sich selbst halbwegs ausreichend ernähren könnten etc.

BENIN, DEIN WEG IST NOCH WEIT!

Kommentare

Hallo Anna+Eva. Ich hoffe

Bild von annamama

Hallo Anna+Eva.
Ich hoffe Euch geht es beiden gesundheitlich wieder besser.!!!
Wer haut denn Ziegen mit Plasteflaschen...habt Ihr Euch schon mal überlegt, daß
Ihr die vielleicht zum Abschied "verinnerlichen" dürft ? Da geht es Euch dann wie
Anna´s kleinem Bruder, der mußte letztens auch das Wechselgeld von der Bratwurst mitessen,
es waren fünf Tage bis es wieder zum Vorschein kam!
Haltet die Ohren steif und laßt weiter auf Euch wirken was Leben und Überleben eigentlich
bedeutet!
die Annamama

Bonjour Benin!

Bild von Ben Graepel

Hi Eva&Anna,

es gab 2 Probleme:
erstens war bei uns am Server etwas nicht richtig eingestellt: das ist jetzt wieder in Ordnung und alles funktioniert.
Zweitens habt ihr die Fotos etwas zu kompliziert eingebunden - ihr braucht gar leinen Link zu bauen opder sonstiges. Ihr müsst nur die URL (also die internetadresse) angeben. Ohne den ganzen a href= Schnickschnack außenrum.

als beispiel so:

http://volunity.net/image/902

daraus wird dann

Bild von Ben Graepel

das hier:

Mathilde

tadaaa!

einen 5145 km langen Gruß aus dem brütend heißen Magdeburg!

Esel

Bild von Andreas

Wenn ich einen Esel besteige, der sich verirrt, hat sich nicht der Esel getäuscht, sondern ich selber.

aus Die Stadt in der Wüste von Antoine de Saint-Exupéry

Bild Europas bei den Afrikanern

Bild von Gerhard

Liebe Anna-Janina, liebe Eva,

Ihr habt einen guten Job gemacht, besonders über die Verhältnisse in Europa zu informieren. Was dort so vermutet wird, wie "goldig" alles in Europa ist, einfach hahnebüchend...
Viele (illegal) Einwandernde sind dann total entsetzt, wenn sie die europäische Wirklichkeit kennenlernen. Aber auch die können ja ihre Verwandten kaum überzeugen, wie es tatsächlich aussieht. Denn sie haben ja oft so lange Geld gesammelt und zusammengelegt, und 1 kräftigen jungen Mann entsandt, von dem sie nun Geld erwarten.
Und diese sind dann hier deprimiert, weil sie ja kaum Geld schicken können bei der armseligen Unterstützung, die sie bekommen während der "Duldung = Hinausschieben der Abschiebung" (kann auch gerne 5-6 Jahre dauern).
Alles Gute für den Restaufenthalt. Gute besserung für Anna.
Liebe Grüße von Gerhard

Abonnements

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Bist du ein böser Spam-bot?
Image CAPTCHA
Die Zeichen (unter Beachtung von Groß-/Kleinschreibung) aus dem Bild.