Wir machen am 24. unsere Weihnachtseinkäufe. Is' doch okee.
Liebe Anderen,
stellen wir es doch direkt am Anfang mal Fest: Weihnachten mit 35 Grad und Sonne ist einfach kein richtiges Weihnachten. Da will uns doch jemand verarschen! Trotz und alledem war es aber sehr lustig, wie ich das auch nicht anders erwartet hatte.
Als meine Gastmama an Heiligabend um 14h nach Hause kam, haben wir erst mal Weihnachtseinkäufe erledigt. Recht hat sie. Warum solllte man das eine Woche vorher machen und den Spaß in den überfüllten Supermärkten komplett verpassen? Das ist doch der Witz an Heiligabend!! Dass man eine Stunde an der Kasse steht und das ehemals gefrorene Eis einem langsam den Arm hinunter tropft aufs Bein und sich zwischen den Zehen zu einer kleinen Eispfütze sammelt. Meine Gastmama und ich hatten aber echt Spaß, weil wir uns über die anderen lustig gemacht haben. Ich liebe meine Gastfamilie, die haben ungefähr die gleiche Hemmschwelle wie ich. Nämlich gar keine.
Als wir um 16h wieder zu Hause waren, stand das Plätzchenbacken an. Schomma 6 verschiedene Plätzchenarten auf einmal und in einer kleinen Küche gebacken und mittendrin festgestellt, dass geraspelter Kokoskram fehlt? Jaa-haaa, da geht die Party los! Wir haben dann meinen armen Gastpapa Walter nochmal einkaufen geschickt, und als der 2 Stunden später und ohne Schneidezähne aber dafür mit Rissen im Hemd wiederkam, waren die meisten Kekse sowieso schon fertig und der Kokosraspelkram überflüssig.
Nach einem kurzen Anruf beim Küster um 5 vor 9h und der Information, dass um 9 die Messe anfängt, brach noch immer keine Panik aus. Chile ist dermaßen gechillt, ich werde in Deutschland total untergehen. Ich seh das schon kommen.
Die Messe fing dann auch pünktlich um halb zehn an, die Leute strömten aber weiter fröhlich bin kurz nach 10 in die Kirche; der Knaller war eine Frau, die nur zum Brotessen kam und dann wieder ging. So nach dem Motto: "Jo, auf'n Happen komm ich vorbei, aber dann, Mi Senor, muss ich auch schon wieder."
Beim Nachhausekommen stieg mein sonst eher gemäßigter Puls (vor ein paar Jahren wollte mich mein Hausarzt schon für klinisch tot erklären, weil er keinen gehört hat) doch in höhere Sphären - ich war nämlich nicht nur für die Schokoladencouvertüre der Plätzchen zuständig gewesen (DAMN, I'm good with chocolate. It's a mutual true love.) sondern auch für den echt schwäbischen, also nassen, Kartoffelsalat und die Würstchen. Und nach mehreren Nachfragen wurde mir versichert, dass es auch keinen Plan B gab. Und der nächste McDonald's ist in Santiago. Ganz wenig pressure also.
Glücklicherweise is dat Glück ja mit die Doofen, mit mir in dem Fall, und der Kartoffelsalat schlug ein wie eine Bombe. Und das im wahrsten Sinne der Wortes: Walter hat auf ein Pfefferkorn gebissen, und so sehr die Mexikaner scharfe Kerle sind, heulen die Chilenen ja schon ein bisschen rum, wenn mehr als eine Prise Salz in einem Essen ist. Es war dann aber auch schon Mitternacht, und wenn wir mal GANZ EHRLICH sind: Es geht uns DOCH um die Geschenke!
Meiner Gastmutter auf jeden Fall. Die war aufgeregter als mein kleiner Bruder, als der seinen elektronischen Helikopter bekommen hat (den er kurz danach mit viel Krachbumm in die Hauswand geflogen hat, aber das ist eine andere Geschichte)und war sehr zufrieden mit dem Gartenzwerg, den ich nach einem kurzen Kampf mit einer übergewichtigen Hausfrau aus dem Homecenter mitgenommen hatte. Auch der Hermann Hesse mit "Narziss und Goldmund" kam gut an, und ich habe das Ziel erreicht, das ich das Buch dann auch lesen kann. Warum Dinge verschenken, an denen man selber keinen Nutzen hat.
Nach unendlich viel Dummschwätzerei (habe ich schon erwähnt, dass meine Gastfamilie die Tollste der Welt ist?) und noch mehr Gelächter war um halb drei dann Schicht im Schacht, und ich bin, glaube ich, tatsächlich mit einem seligen Lächeln auf den Lippen eingeschlafen. Unter den gegebenen Umständen war das ein unglaublich schönes Weihnachtsfest.
A todos los voluntarios y las voluntarias en todo el mundo: les deseo un muy feliz navidad y para el Ano Nuevo solo lo mejor! Que les vaya muy bien, especialmente mis amigos de la LKJ:
Kathleen, MD,
Alex, Ha Noi,
Johannes, Ha Noi,
Kerstin, Ha Noi,
Jule, Mexico
Lucas, Mexico,
Julian, Mexico (what's with all the J's in the names?)
Aylin, Mexico,
Franzi, Mexico,
Josefa und Hannah, Bolivien,
Ole, Africa
Elke, Laos,
Andrea Africa,
Ann-Jana, Africa,
Tine, Africa
Daniela, Indien
Walli, Indien
Vici, Indien
Fabian, Africa,
Celine, Africa
...macht euch ein kleines Stückchen Heimat, und macht vor allem viele Fotos für Peseckendorf reloaded!
Eure weihnachtlich leicht überfressene Jana
