Chile-Peru-Bolivien: eine Reise durch 3 Länder in 14 Tagen...

Mitwirkende: Uli Abbrent, Josefa Marxhausen

Chile = Nordamerika, Arica = Los Angeles

Am 14.1.2010 um acht Uhr stiegen Uli und ich in Cochabamba in einen Bus Cama, ausgelassen und voller Vorfreude auf die erste Reisestation: Arica, Chile.
Nach 12 Stunden Fahrt kamen wir auch tatsächlich an und uns traf der erste Kulturschock – wo waren wir gelandet??? Ich dachte an Los Angeles, Uli an Miami, auf keinen Fall Lateinamerika! Glitzernde Casinos, saubere Straßen, Bettler gekleidet wie du und ich, keine indigen-gekleideten Leute, ein riesiges McDonalds mitten im Zentrum, Skaterplätze, Einrichtungszentren und Softeisverkäufer.....
Noch am gleich Abend machten wir einen Strandspaziergang und hielten die Füße in den Pazifik.
Am naechsten Morgen trafen wir uns mit Gesine, einer “Kulturweit”-Freiwilligen, die in Arica wohnt und uns nicht nur den perfekten Badeort zeigen konnte, sondern uns auch noch zum Hafen geführt hat, wo sich riesige Pelikane und Seelöwen auf die Fischabfälle stürzten.
Nach drei Stunden baden hatten wir alle eine rötere Gesichtsfarbe und waren von oben bis unten eingesandet. Schnell im Hostal geduscht und umgezogen, dann sollte es auch schon weiter gehen nach “Valle de Lluta”, wo wir bei den Hare Krishna eine Nacht kostenlos unterkommen konnten.

Hare Krishna: wir bei den Haris

Hingefahren sind wir eine Stunde mit dem Bus, als wir ankamen war dort niemand außer zwei bolivianischen Arbeitern, die uns sagten, dass die Hares erst spät am Abend wiederkommen würden. So schauten wir uns selbstständig um: Es gab ein Restaurant mit großer Küche, vier Gästehäuser und die Häuser der Hares, ein Lamagehege, Holzkinderspielplatz, einen Tempel und ein Informationszentrum. In diesem hingen Plakate über die Revolution der Löffel und andere Forderungen der Hares. Unter anderem sind sie gegen Fleischessen (und auch keine Eier), gegen Sex ohne die Absicht, Kinder zu zeugen, gegen Tierquälerei...
Die Nacht verbrachten wir sehr bequem in einem Gästehaus und am nächsten Morgen trafen wir dann auch endlich auf die Hares. Einer von ihnen kommt aus Deutschland, er hat uns einiges erzählt und den Tempel gezeigt. Vorher haben wir in der Küche mitgeholfen, dass Mittagessen für alle zuzubereiten. Gekocht wurden Kartoffeln mit Kohl, Salat, ein Erfrischungsgetränk aus Zitrone und Ingwer, Reis mit Erdnüssen, Gluten als Fleischersatz und einen Nachtisch mit Quinoa und Kokosflocken. Alles sah superlecker aus, leider verbietet es ihre Religion, in der Küche zu kosten, daher durften wir erst essen, als alles fertig war und auch ein Teller schon ihrem Gott dargeboten wurde.
Am witzigsten bei den Hares war eigentlich der Moment, in dem wir den Deutschen mit einer riesigen Spraydose Ameisenvernichtungsmittel in der Hand in den Tempel verschwinden sahen. Zuvor hatte er noch davon gepredigt, dass jedes noch so kleine Wesen eine Seele besitzt und nicht getötet werden darf.
Dummerweise haben wir den Bus rückzu verpasst, also sind wir zur großen Straße vorgelaufen und haben dort Autos angehalten.
Wieder zurück in Arica haben wir erfahren, dass am nächsten Tag der Präsident gewählt wird und daher alle Grenzen gesperrt sind. Das durchkreuzte unsere Pläne nach Peru weiterzureisen, so mussten wir noch einen Tag länger als geplant in diesem teueren Land bleiben. Ernährt haben wir uns von überteuerten fettigen Pommes und Salatpizza.

Peru: Meer, Wüste, unerwartete Löcher im Boden

Am Montagmorgen ging es endlich weiter, über die Grenze nach Tacna, Peru und gleich weiter nach Ilo, ans peruanische Meer. Glücklich waren wir über die Währung hier, die leichter zu rechnen ist als die chilenischen Pesos (720 $ = 1 Euro), ausserdem über die Preise und den Strand, der nicht so touristisch und überlaufen ist wie der in Arica.
In Peru erwischte uns das nächste Unglück eiskalt: Geplant war, eine Nacht zu bleiben und dann weiter nach Arequipa zu fahren, wo wir schon eine Couch sicher hatten – doch die Transportunternehmen streikten und so blieben wir gezwungenermaßen noch etwas länger mit der Hoffnung, die Verhandlungen laufen gut. Doch es gab nur schlechte Neuigkeiten, der Streik blieb unbegrenzt und wir entschieden uns, zur nächsten Stadt mit einem sogenannten Collektivo (Sammeltaxi) zu fahren und von dort aus zu trampen. Wir wurden auch mitgenommen, blöderweise fuhr er nicht direkt nach Arequipa, sondern nahm einen Umweg über Mollendo, der uns drei Stunden kostete, und wir sollten die Fahrt bezahlen. Im Endeffekt kamen wir am Nachmittag doch noch in Arequipa an, auch wenn es erst nicht so aussah, sind als erstes zur Touristeninfo gegangen und haben nach einem Stadtplan verlangt und nach der Auskunft, wo man die besten Crepe der Stadt essen kann. Dort haben wir mit Nutellacrepe und Mangosaft erstmal meinen Geburtstag gefeiert. Später haben wir versucht, unseren Couchsurfer, bei dem wir schlafen konnten, zu erreichen, das schlug erstmal fehl. So saßen wir bis zum Sonnenuntergang auf der Plaza Principal (heißt in Peru in jeder Stadt “Plaza de armas”) und aßen Eis.

Couchsurfing in einer Villa

Am Abend hat es dann doch noch geklappt mit dem Typen, leider gestand er uns, dass er doch keinen Schlafplatz hat, kannte aber einen anderen Jungen, in dessen Haus wir bleiben konnten. Nach zwei Stunden Billardspielen fuhren wir zu dem anderen, dessen Haus ein wenig außerhalb des Stadtzentrums lag, in einem eingezäunten Viertel mit Security und allem.
Am Abend waren wir Falafel essen und Party machen im “Deja Vú”, gut besucht von Einheimischen und Weißen.
Um acht Uhr morgens wurden wir mit den Worten “Frühstück fertig!” geweckt, kamen verschlafen in die Kueche und bekamen als erstes einen frisch gepressten Mango-Papaya-Bananen-Saft in die Hand gedrückt. Den Rest des Tages verbachten wir mit Karlos (so heißt er). Waren auf Stadtbesichtigung, im Chinarestaurant, beim besten Italiener der Stadt und im Norwegerviertel, wo er Freunde hat.

Regen am Titicacasee

Unsere nächste Station war Puno, Peru, direkt am Titicacasee. Wir hatten vor, uns ein Schiff zu suchen, mit dem wir quer ueber den See nach Copacabana, Bolivien fahren konnten. Der Hafen war aber leider gesperrt und vorraussichtlich erst 2011 wieder benutzbar. So blieb uns nur wieder übrig, mit dem Bus zu fahren. Nach drei Stunden wurden wir in Copacabana willkommen gehießen und befanden uns zurück in der Heimat.
Die Stadt selbst ist winzig, einzig sehenswert sind der Pilgerweg mit den zehn Station, die das Leiden Christi verbildlichen und oben mit einer fantastische Aussicht über den See und Copacabana belohnen. Im “Hafen” haben wir uns für eine halbe Stunde ein Kanu gemietet und sind ein bisschen über den See gepaddelt. Zweimal kamen wir mit dem Militär in Konflikt, die auf ihrem Motorboot angebraust kamen um uns zu sagen, dass wir gerade in die verbotene Zone fahren und umkehren sollen.
Für den nächsten Tag hatten wir geplant, zur Isla de Sol zu fahren und dort eine Nacht zu bleiben, doch das Wetter kam uns in die Quere: Am Abend fing es an zu regnen und hörte auch nicht wieder auf. Spontan beschlossen wir am Morgen, gleich nach La Paz weiterzufahren um dort noch ein paar Tage zu bleiben und Esther zu besuchen, eine Freiwillige beim Goetheinstitut La Paz.

Streetart in La Paz

In La Paz mussten wir uns zum ersten Mal seit langem wieder körperlich anstrengen, den ganzen Tag Berge hoch und runter laufen und immer wieder schnell vor dem Regen fliehen, der so jede Stunde mal wieder anfängt.
Da wir wieder im billigsten Land Südamerikas waren und es gut um unsere Urlaubskasse bestellt war (dank der Spartage in Chile), gönnten wir uns in den drei Tagen Hauptstadt Schokocroissons zum Frühstück, Dreigängemenüs zum Mittag und Abends leckeres Chinaessen.
Am 27. Januar machten wir uns schließlich auf die Rückreise nach Cochabamba.

Abschließend läßt sich sagen....

...769 Fotos geschossen
...177 Euro pro Person ausgegeben
.....20 Fahrten im Bus, Minibus, Auto gemacht
…..14 Tage unterwegs gewesen
…..11 mal Geld abgehoben
…....8 Staedte gesehen
…....6 neue Stempel im Pass bekommen
…....3 verschiedene Währungen in der Hand gehalten
…....2 mal den Titicacasee per Boot befahren
…....1 Kulturschock er- und überlebt
…....0 Unfälle gehabt

Cochabamba, Bolivien
01.02.2010

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