Entwicklungshilfe in der Kritik «Bonner Aufruf» fordert Umdenken

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Bonn/Berlin (epd). Vor einer internationalen Konferenz über die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe in Ghana haben deutsche Experten einen radikalen Systemwechsel verlangt. «Wir halten eine Gipfelkonferenz nicht für geeignet, die Probleme zu lösen», sagte Rupert Neudeck (Foto), Gründer der Hilfsorganisation «Cap Anamur» und Leiter der «Grünhelme», bei der Vorstellung eines «Bonner Aufrufs für eine andere Entwicklungspolitik».

Das Dokument stieß bei Hilfswerken und Politikern auf Kritik.

Die Entwicklungshilfe habe in ihrer bisherigen Form versagt, heißt es in dem von 46 Politikern, Diplomaten, Entwicklungshilfe-Experten und Journalisten unterstützten Aufruf. Neudeck forderte, das Entwicklungsministerium und die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) aufzulösen. Die Entscheidung über die bilaterale Zusammenarbeit sollte stattdessen den deutschen Botschaften vor Ort übertragen werden.

Das Papier löste kritische Reaktionen aus. Der Aufruf offenbare ein «antiquiertes Verständnis von Entwicklungspolitik», erklärten die Grünen-Politiker Ute Koczy und Thilo Hoppe in Berlin. Die Vorstellung, man sollte möglichst nicht mit staatlichen Stellen in Afrika, Asien und Lateinamerika zusammenarbeiten, halte der Wirklichkeit nicht Stand, unterstrichen sie. Herausforderungen wie der Klimawandel und der Umweltschutz würden gar nicht benannt.

Winfried Pinger, einer der Initiatoren des Aufrufs und ehemaliger entwicklungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, plädierte dafür, nur mit nichtstaatlichen Organisationen zu kooperieren. Weil die Entwicklungshilfe bisher über die staatliche Bürokratie geleitet werde, komme aufgrund der korrupten und ineffizienten Strukturen in den afrikanischen Staaten bei den Armen nur wenig an.

Als positive Beispiele nannte Pinger die Vergabe von Kleinstkrediten oder Bildungsprojekte, die auf lokaler Ebene organisiert werden. Die deutschen Botschaften vor Ort sollten über die Zusammenarbeit mit einzelnen Partnern entscheiden. Dafür sollten sie personell entsprechend ausgestattet werden. Volker Seitz, ehemaliger Botschafter mit 17 Jahren Afrika-Erfahrung, warb dafür, dieses Modell als Pilotprojekt in einigen Regionen zu testen.

Es sei ein Trugschluss zu glauben, mit mehr Geld lasse sich mehr Entwicklung erreichen, warnten die Unterzeichner des Aufrufs. Geld habe häufig sogar geschadet, weil dadurch Eigeninitiative gelähmt worden sei. Seitz bezeichnete Projekte kirchlicher Hilfswerke als effektiver als staatliche Projekte.

An diesem Dienstag beginnt in Ghanas Hauptstadt Accra eine internationale Konferenz der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) über die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe. Dort soll Bilanz gezogen werden, nachdem Industrie- wie Entwicklungsländer vor drei Jahren die «Pariser Erklärung» verabschiedet hatten, mit dem Ziel, die Hilfe bis 2010 deutlich effektiver zu gestalten.
Quelle: www.social-times.de